75 Jahre Reitverein „Sleipnir“ Sellstedt

1996 war ein Jubiläumsjahr.

75 Jahre Reitverein und 25 Jahre Jugendfeuerwehr in Sellstedt hatten uns veranlasst, zusammen ein „100 jähriges“ Jubiläum zu feiern. Der Grundgedanke dieser gemeinsamen Aktion war die jahrelange Zusammenarbeit zwischen Reitverein und Jugendfeuerwehr.

 Am 22. Mai 1921 begann alles

An diesem Tag trafen sich 15 Männer zur Gründungsversammlung eines Reitvereins.

Man wählte einen Vorstand, der aus zwei Vorsitzenden, einem Schriftwart und 2 Rittmeistern bestand. 1. Vorsitzender und damit der erste in der Vereinsgeschichte war Wilhelm Voigts. Weiterhin wurde ein Vereinslokal bestimmt, ein Gelände zum Reiten besichtigt und Statuten festgelegt, die wie folgt lauteten:

  • bei gemeinschaftlichen Ausflügen sind Vereinsabzeichen und Handschuhe zu tragen, Strafe 3 MK,
  • eingetragenes Mitglied, aktiv 20 MK,
  • eingetragenes Mitglied, passiv 12 MK,
  • jährlicher Beitrag 12 MK,
  • Fehlen 3 MK, Verspätung 1 MK

Damit war der erste Schritt getan!

Zur Hauptversammlung trag man sich einige Tage später, am 31. Mai 1921. Jetzt waren schon 17 Mitglieder anwesend. In dieser Versammlung entstand der Name des Vereins. Das Vereinsabzeichen, das auf der Fahne zu sehen ist, stellt Wotan auf dem achtbeinigen Pferd Sleipnir dar. So entstand der Name „Sleipnir“ Sellstedt, der auf Vorschlag des Lehrers Heinrich Greyer von der Versammlung angenommen wurde.

Es folgten jeweils mehrere Sitzungen im Jahr. In der Sitzung am 14.06.1921 beschloss man, dem Verband der Reit- und Fahrvereine (damals Sitz in Geestenseth) beizutreten.

Am 20. August 1921 wählte  man Festausschuss, Preisrichter und Krönungsdamen, die jedes Jahr neu gewählt wurden. Ebenso setzte man Preise, für das am 18.09.1921 erstmalig stattfindende Ringreiten, fest. Diese waren nicht unerheblich, z. B. 1. Preis: Reittrense und Reitpeitsche, 3. Preis: Satteldecke, sogar der 9. Preis ergab noch Sporen.

Ein Ringreiten bestand damals nicht nur aus dem Ringstechen. An diesem Tag geschah noch einiges mehr. Hier der Festverlauf eines solchen Tages:

  • Umzug
  • Beginn des Reitens (2 Abteilungen je 2 x 12 Runden)
  • Ausreiten der Ehrenpreise
  • Umreiten
  • Schulreiten
  • Hürdenspringen
  • Krönung

Im Jahre 1923 änderte man wegen der Geldknappheit den Jahresbeitrag für den Verein vom RM in Roggen, was bedeutete, dass ein passives Mitglied 10 Pfd. Roggen stellen musste.

In der Versammlung am 27.01.1923 wird beschlossen: Junge dienstfähige Leute können nicht passiv sein, wenn sie ein Pferd besitzen. Damals ging man wirklich sehr streng mit den Mitgliedern um. Am 06.06.1923 wurde in der Versammlung über das Vergehen des  Mitgliedes H. von Glahn, Bramel, verhandelt. Er soll beim Ringreiten verschiedentlich 2 Ringe gleichzeitig auf dem Stecker gehabt und sich so „Vorteile“ verschafft haben. Es wurden Zeugen genannt und H. von Glahn zur  „Verhandlung“ am 13. Juni geladen. Er legte dann bei den Vorstandsmitgliedern ein Geständnis ab und wurde während der Verhandlung vom Verein ausgeschlossen. Er musste Schärpe, Stecker und Gewinn zurückgeben.

Ebenso streng war man bei Fehlstunden beim Reiten. Am 12.01.1924 wurde festgelegt, dass die 3 Rekruten, die die meisten Fehlstunden aufwiesen, je 1 Flasche Cognac an die Generalversammlung zu zahlen hatten.

Die  Rittmeister besuchten ausser der eigenen auch andere Versammlungen. So berichtete einer am 04.12.1924 über jene in Hannover:

  • Die Zeitschrift „Hannoversches Pferd“ ist zu halten
  • „Richters Zeitschrift“ bestellen, desgleichen – Halbblut-Kalender 1925
  • Reiterfest am 26.08.1925
  • 4jährige Pferde springen 65 cm ältere Pferde springen 80 cm
  • Zeichnungen von Hindernissen stellt der Verbund
  • Es ist nachdrückling auf Disziplin zu achten: Lieber ein kleiner Disziplin-Verein, als eine „grosse Hammelherde“.

Auf der Versammlung am 14.05.1925 wird erstmals beschlossen, das Turnier öffentlich, d. h. auch für andere Vereine, freizumachen.

Die Fahnenweihe des Vereins wurde am 20.06.1926 abgehalten. Daraus machte man ein  wahres Fest. Es wurden Einladungen verschickt. Gleichzeitig sollte ein Turnier stattfinden.

Auf der Vorderseite der Fahne konnte man – wie auch noch heute – den Götterboten Wotan auf dem achtbeinigen Pferd „Sleipnir“ sehen. Auf der Rückseite stand der Hindenburg-Spruch in den damaligen Vereinsfarben (schwarz-weiss-rot): „Die Treue ist das Mark der Ehre“.

Im Jahre 1929 wurde das erste mal ein Vorsitzenden wechsel vorgenommen. Neuer und damit zweiter 1. Vorsitzender in der Vereinsgeschichte wurde Hinrich Gerken 16.

Reiter Ohmstedt, der 1932 vorerst letzter Ringkönig war, sollte die Schärpe abgeben, damit diese in Sicherheit gebracht werden konnte. Das tat er jedoch erst, nachdem er das Versprechen erhalten hatte, ihn beim nächsten Ringreiten abzuholen. Eine ähnliche Geschichte wie die Schärpe hat auch die Vereinsfahne hinter sich. Die Alliierten wollten diese als Andenken in ihren Besitz bringen. Hartwig Gerken wusste dieses jedoch zu verhindern, indem er die Fahne bei „Nacht und Nebel“ aus Klemmes Saal geholt und bei sich zu Hause bis zur Entwarnung in Sicherheit gebracht hat. Während der Ära des 3. Reiches sowie in den Jahren des 2. Weltkrieges von 1939 bis 1945 ruhte das Vereinsleben vollständig, bis im Jahre 1948 einige frühere Mitglieder aktiv wurden. Bereits im gleichen Jahr lud der Reitverein Bramel den Sellstedter Reitverein zum Turnier ein. Es fanden Flach- und Trabrennen sowie das 1. Fahrturnier statt.

Am 23.01.1949 wird die 1. Hauptversammlung des Reitvereins „Sleipnir“ Sellstedt e. V. als selbständiger Verein abgehalten. Ebenfalls 1949 findet das 1. Turnier des Sellstedter Reitvereins auf dem Böken statt.

1955 wechselte der 1. Vorsitzende erneut. Heinz Holler wurde gewählt und erfüllte sein Amt bis 1974.

1957 haben der 1. Vorsitzende Heinz Holler, der 2. Vorsitzende Albert Gerwinat sowie der damalige Bürgermeister Heinrich Schröder dafür Sorge getragen, dass dem Reitverein Sleipnir die Sandkuhle am Leeschfeld, die dann als Reitplatz hergerichtet wurde, von der Gemeinde zur Verfügung gestellt wurde. Vor dieser Zeit war der Platz von der Wehrmacht besetzt. Es war dort ein „Kaninchendorf“ erreichtet worden, das in der Gemeinde bei Gross und Klein viel Anklang fand.

Nach einigen Jahren mit wenig Aktivitäten – hervorgerufen durch Motorisierung in der Landwirtschaft, bei der ein Pferd nach dem anderen den Maschinen weichen muss – erlebt der Verein Anfang der 60er Jahre einen  Aufschwung. 1963 wurde die Ringreitergemeinschaft ins Leben gerufen. Das 1. Konkurrenzringreiten wurde in Sellstedt auf dem Leeschfeld ausgerichtet. Teilgenommen haben die Vereine Appeln, Geestenseth, Loxstedt, Meckelstedt, Ringstedt, Wollingst und Sellstedt. Etwas später trat auch noch der Stoteler Reitverein zu der Gemeinschaft. Da zu jener Zeit lediglich 4 Pferde im Dorf zum Reiten zur Verfügung standen, konnte der Reitverein Sellstedt von Herrn Dr. Gilde, Elmlohe, weitere Pferde ausleihen. Seit ca. 33 Jahren ist der Reitverein „Sleipnir“ Sellstedt einer der erfolgreichsten Vereine in der Konkurrenz der Ringreitergemeinschaft.

Von 1963 an führte man regelmässig jedes Jahr ein Ringreiten durch und lud auch auswärtige Vereine ein. Erstmals fanden jetzt auch Fuchsjagden statt.

1966 verstarb der Reitlehrer Johann Fricke.

 Die Versammlung am 04. März 1967 beschloss, dass ein Fahnenschrank angeschafft werden sollte.

1969 fuhr der gesamte Verein zur Hengstparade nach Celle.

Im Jahre 1971 feierte der Reitverein sein 50 jähriges Bestehen und veranstaltete ein Jubiläumsturnier mit anschliessendem Ball. Eingeladen wurden alle umliegenden Vereine sowie der Verein Elmlohe-Marschkamp, die Freiwillige Feuerwehr, der Siedlerbund und der Gemeinderat.

3 Jahre später setzte man sich mit Horst Struwe zusammen und verhandelte, ob man die im Bau befindliche Halle in Hohewurth mitbenutzen konnte. Diese Verhandlungen verliefen jedoch negativ.

1975 folgte dann ein Vorstandswechsel. Neuer 1. Vorsitzender wurde Willfried Gerwinat.

Der vorherige Vorsitzende wurde zugleich zum Ehrenvorsitzenden ernannt. In diesem Jahr konnte der Reitverein den ersten Winter  durchreiten, weil die Halle, die von Egon Meyer erbaut wurde, vom Reitverein mitbenutzt werden konnte.

Es boomte 1976/1977, der Verein konnte 54 Neuzugänge verzeichnen.

Immer mehr Aktivitäten konnten verzeichnet werden. Die Reitbahn wurde neu eingezäunt, ein Geräteschuppen wurde erstellt.

1977 wurde Hans Ristedt neuer Reitlehrer. Im gleichen Jahr nahmen sogar mehrere Reiter an einem Lehrgang teil und erwarben ihren Reiterpass, einige das Reitabzeichen in Bronze

Im nächsten Jahr fanden schon 6  Veranstaltungen im Verein statt: Konkurrenzringreiten, Vereinsturnier, Vereinsringreiten, Fuchsjagd, Reiterball und Weichnachtsreiten. Ebenso wurde erstmals im Jahre 1978 eine Arbeitsdienstpflicht eingeführt. Jedes Mitglied musste 5 Arbeitsstunden pro Jahr verrichten oder Strafe zahlen.

In der Jahreshauptversammlung 1979 beschloss man, unentschuldigte Fehlstunden zu ahnden. Ausserdem wollte man eine eigene Halle bauen. Dieser Antrag wurde aber abgelehnt; es wurde die Halle von Fleischmann vollständig gepachtet.

1981 wechselte der Reitlehrer erneut. Ab sofort war Dieter Nebel aktiv. Allerdings nur kurze Zeit, denn bereits 1982 wurde Horst Lücken neuer Übungsleiter. Nachdem im Jahre 1982 Satzungsänderungen vorgenommen wurden, musste der Verein neu ins Vereinsregister eingetragen werden. Im gleichen Jahr veranstaltete der Verein sein erstes grosses Turnier mit Prüfungen in Kategorie B. Das Turnier war derzeit mit 1400 Nennungen und 400 Pferden das drittgrösste im Landkreis Cuxhaven.

1983 wurde mit dem Bau des Richterturms begonnen. Dieser wurde im selben Jahr fertiggestellt. Im Herbst des Jahres wechselte der Verein von der Reithalle Fleischmann zur Reithalle Axhausen.

Im Jahre 1985 fand ein Turnier satt, dass auch heute noch viele Teilnehmer als besonderes Ereignis im Gedächtnis haben. Petrus alle „Schleusen“ geöffnet und es goss wie aus Eimern. Das Turnier stand kurz vor einem Abbruch. Aber Reiter sind hart und kampferprobt. Sie beendeten auch den letzten Pacours, in dem einige Absprungstangen nicht mehr am Boden lagen, sondern vor den Sprüngen hin- und herschwammen. Schwimmwesten wurden von den teilnehmenden Reitern jedoch nicht verlangt.

Eine weitere bauliche Erweiterung am Reitplatz folgte 1986 mit dem Bau eines Toilettenhauses.

1988 wurde ein Dressurviereck errichtet. Geplant waren ursprünglich nationale Mass von 20 x 40 m. Letztendlich einigte man sich jedoch auf das Mass von 20 x 60 m. Das bedeutet ein Dressurviereck, auf dem sogar international gestartet werden kann. In diesem Jahr war auf dem Turnier erstmals ein M-Springen ausgeschrieben, bei dem ein gutes Nennungsergebnis zu verzeichnen war.

Der nächste „Neubau“ am Reitplatz wurde 1990 errichtet. Es handelte sich um ein Richterhäuschen am Dressurviereck.

Im Jahre 1991 wurde der Vorstand insgesamt verjüngt. Es gab folgende Wechsel: der 1. Vorsitzende Willfried Gerwinat wurde von Wolfgang Büchel abgelöst. Für den 2. Vorsitzenden Adolf Martens trat Jens Lücken das Amt an, Bertina Hencken übernahm für Horst Lücken das Amt des Jugendwartes, Irmraut Schade-Fricke übergab ihren Posten als Schriftführerin an Britta Kedenburg.

Im Sommer des Jahres konnten einige Sellstedter Springreiter grosse Dressurerfolge erzielen, als sie sowohl in Beverstedt als auch in Elmlohe unter grosser Konkurrenz in der Mannschaftsdressur den 1. Platz erreiten konnten.

Die Vereinskasse konnte durch die Teilnahme einiger Reiter am German Classics Cup in Bremen sowie durch die Unterstützung durch die Sellstedter Fans mit 5000,-DM (1991) bzw. 2500,- DM (1992) aufgebessert werden, was sich auf den Bau eines Schulungsraumes und der Toiletten in der Reithalle positiv auswirkte. 1991 konnte der Verein sein wohl grösstes Projekt in Angriff nehmen, als er die Reithalle mit Stallungen und Land von der Familie Axhausen kaufte. Bisher stand die Halle in Sellstedt lediglich zur Nutzung zur Verfügung.

1992 wurde die Voltigiergruppe ins Leben gerufen, die unter Leitung von Mechthild Kraschon und Bertina Hencken geführt wurde. Bereits im ersten Jahr hatte der Verein allein durch diese Gruppe 17 Neuaufnahmen. Inzwischen ist die Voltigiergruppe auf die doppelte Anzahl angewachsen.

Ebenfalls 1992 wurden die Reithalle und die Stallungen im Zuge des Arbeitsdienstes mit frischem Anstrich versehen verbunden mit dem Anbringen des Vereinsemblems an der Stirnseite der Halle. Die Zahlen 1921 und 1926 stehen für die Gründung und die Standartenweihe.

Im Jahre 1994 konnte der Reitverein das Grundstück neben dem Reitplatz von der Familie Axhausen erwerben.

Auch in den Jahren 1993 und 1994 konnten die Sellstedter Reiter ihren Verein durch gute Plazierungen  sowohl in den Prüfungen der Kategorie C als auch in den höheren Prüfungen gut verteten. Sie starteten nicht nur in der Umgebung, sondern auch im Bremer und Hamburger Raum. Auch auf Kreis- und Bezirksebene haben die Sellstedter Vereinsfarben bei Plazierungen nicht gefehlt.

Das Jahr 1995 verlief ohne herausragende Ereignisse. Gern und gut besucht war wieder die Grünkohlwanderung, die immer Anfang des Jahres stattfindet.

1996 fand das 75 jährige Jubiläum des Reitvereins Sellstedt zusammen mit der Jugendfeuerwehr Sellstedt statt. Es wurde ein grosses gemeinsames „100jähriges“ Jubiläumsfest gefeiert. In diesem Jahr wurde das jährlich stattfindende Turnier als ein gelungenes Jubiläumsturnier mit Zeltfeier und Komerz veranstaltet.

Ein Jubiläum ist ein willkommener Anlass sowohl zum Rückblick auf die Vergangenheit als auch zum Ausblick auf die Zukunft. Alle die in unserm Verein Verantwortung getragen haben – von den Gründungsvätern  bis zur jetzigen Generation haben viel dazu beigetragen, dass der Verein so geworden ist, wie er jetzt ist. So können wir uns heute nicht nur auf eine zukunftsorientierte Sportanlage und bewährte Struktur stützen, sondern auch die wertvolle Erfahrung und wichtige Erkenntnisse der früheren Vereinsführung nutzen.

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